Naturprodukt Fachwerk

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Holz, Lehm, und Steine: Mehr braucht es nicht für ein Bergisches Fachwerkhaus. Das waren die Materialien, die die Menschen damals in ihrer Umgebung zur Verfügung hatten. Davon gab es im Bergischen mehr als genug. Es ist also kein Wunder, dass die Region eine Fachwerkidylle ist. Die Häuser stehen noch so, wie sie vor über hundert Jahren erbaut wurden. Mit viel Liebe haben die Bewohner ihre Schmuckstücke restauriert und hergerichtet.

Form und Bauweise hingen damals im Wesentlichen von der späteren landwirtschaftlichen Nutzung ab. Vor allem im nassen und kalten Herbst brauchten die Menschen für Getreide, Vieh und natürlich sich selbst geeignete Unterkünfte. Daraus entstand im Mittelalter das Wohnstallhaus, wie es heute am häufigsten zu finden ist. Einfache Holzhäuser mit Strohdach gab es schon in der Karolingerzeit, später setzte man die Balken auf ein stabiles Fundament aus Bruchsteinen. Dadurch konnte das Holz im Erdreich nicht mehr faulen und das Gebäude gewann an Stabilität. Die Bauherren trauten sich, ein zweites oder drittes Stockwerk aufzusetzen.

Die einzelnen Fachwerkfelder sind ein wahres Kunstwerk: Aufwendiges Flechtwerk durchzieht die Räume zwischen den Balken. Meist unterstützten sich die Dorfbewohner gegenseitig, mühevoll war die Arbeit. Das Grundgerüst sind harte Rundhölzer, die unter Spannung in vorgefertige Bohrungen im Balkenrahmen gesteckt werden. Eine Mischung aus Lehm und geheckseltem Stroh – viele mengten auch den Mist der Tiere unter – wurde in die Leeräume verfüllt. Mit einer einfachen Latte zogen die Häuslebauer die Oberfläche glatt.

Das Naturprodukt Fachwerk war natürlich anfällig. Wo heute moderne Farben und Lacke zum Einsatz kommen, schützten die Menschen früher mit dem, was sie hatten. Der weiße Anstrich aus Kalk und Milch und schwarze Farbe prägen die Bergischen Dörfer.